27. September 2024
„Mit Furcht retten“
Das Thema Furcht wirft viele Fragen auf, besonders im Zusammenhang mit der Rettung. Ein häufig angeführtes Argument ist der Satz „etliche aber rettet mit Furcht“, der nach Ansicht mancher den Einsatz von Angst als Mittel zur Rettung rechtfertigt. Bei genauerer Betrachtung des Urtextes und seiner Übersetzung wird jedoch deutlich, dass etwas anderes gemeint ist. Zieht man alternative, etwa moderne Übersetzungen heran, verändert sich der Sinn. So lautet Judas 1,22–23 in einer von ihnen: „Einige von denen, die streiten, weist zurecht; andere rettet, indem ihr sie aus dem Feuer reißt; den Dritten begegnet mit Nachsicht, doch mit Furcht, und verabscheut selbst das Gewand, das von ihren Lastern befleckt ist.“
Hier werden drei Gruppen von Menschen genannt. Gegenüber der dritten Gruppe – denen, die in Sünde gefallen sind, aber noch lernfähig bleiben – soll man Nachsicht üben, jedoch mit Vorsicht, ohne an ihren Sünden teilzuhaben. Die in diesem Zusammenhang erwähnte Furcht bezieht sich nicht darauf, Sündern Angst einzujagen, sondern auf das innere Bewusstsein für die Gefahr der Sünde selbst, mit der man es zu tun hat. Das unterstreicht, wie wichtig es ist, die Sünde vom Menschen zu unterscheiden: dem Menschen Barmherzigkeit zu erweisen und sich zugleich nicht vom sündigen Verhalten beeinflussen zu lassen.
Die verbreitete Vorstellung, Einschüchterung sei eine Methode der Rettung, ist also falsch. Es geht nicht um die Furcht vor Strafe, sondern um die Furcht davor, an sündigen Taten teilzuhaben. Dieses Verständnis widerlegt Methoden, die auf Einschüchterung beruhen, und verlangt ein Umdenken in der Praxis: die Würde der Person zu achten und sich auf die Veränderung des Verhaltens zu konzentrieren, statt Angst einzuflößen.